Möchten Sie Pilot werden?

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Wir sitzen in einem Flugzeug und warten auf den Start. Alle sind angeschnallt, der Puls rast und langsam beginnen wir zu rollen… Aber das ist kein Flugplatz, sondern das Hotel Csipkerózsa in Csólyospálos. Beat Dubs, der Besitzer des Hotels erzählt total begeistert über sein „Spielzeug“.
Das Cockpit ist echt, die Sitze auch — sie stammen aus einem Airbus A 320 — teilt er lächelnd mit.

— Wie kamen sie hierher?

Als ich diesen Simulator gekauft habe, gehörten sie dazu. Aber beginnen wir mit meinen Jugendjahren! Ich stamme aus der Schweiz. Ich war früher Pilot, aber nur Freizeitpilot, ich flog kleine Flugzeuge und Helikopter. Aber als ich meine Familie gründete und Kinder unterwegs waren, sagte meine Frau, sie hätte Angst, wenn ich fliege, also solle ich bitte damit aufhören.
Vor 10 Jahren konnte ich dann einen kleinen Simulator mit einer Cockpit-Kabine kaufen und erwarb gleichzeitig viele Freunde, die mitspielten. Eigentlich hätte ich mir gern einen viel größeren Simulator gewünscht, aber das wäre zu teuer gewesen. Damals wohnte ich schon in Ungarn.
Dann hat mich das Glück gefunden! Ich fuhr an einem Freitagabend gerade nach Pécs, mein Telefon klingelte und man sagte mir, wenn ich am nächsten Vormittag in Bécs (Wien) sein könnte, kann ich einen ganz großen Simulator samt Passagierkabine erwerben.
Am nächsten Tag erschien ich mittags um 12.00 Uhr bei der Firma in Wien, die das Angebot stellte! Okay, schauen wir uns das an! Wunderbar! Per Handschlag einigten wir uns. Auf der Heimfahrt musste ich mir noch überlegen, wie ich das meiner Frau beibringe. Aber sie war begeistert: Eine Superidee.
Daraufhin musste ich zuerst eine Firma finden, die den ganzen Simulator in Wien demontiert und einpackt, dann ein Unternehmen für den Transport organisieren, den ganzen verpackten Simulator hier in Csólyospálos einlagern und warten, bis dazu ein geeignetes Gebäude gebaut wird.
— Ja, Sie wollten doch eigentlich ein niveauvolles Hotel in der Puszta bauen. Dient diese Einrichtung zum Spaß für die Gäste?
Ja: dieser Apparat diente auch in Wien der Unterhaltung. 2016 gelang es mir dann schließlich, den Simulator hier in Betrieb zu nehmen. Dann wurden noch Computerprogramme, eine Beleuchtung, neue Teppiche, Bildschirme und weitere Kleinigkeiten angeschafft bis das heutige Niveau erreicht war.

— Ja, ganz wirklichkeitsnah! Für einen Mann, sogar Teenager verzaubernd! Können da auch Piloten ihren Beruf erlernen und üben?
Das Cockpit ist für eine vollständige Pilotenausbildung zwar nicht zertifiziert, es ist jedoch sehr gut dazu geeignet, dass Piloten damit Übungen durchführen. Alles ist wahrheitsgetreu: Computerisierung, Einrichtung, Leuchten und natürlich die Reaktion der Maschine, in der wir sitzen.

— Wie sieht das Programm aus? Ich meine, darf man hier einfach hereinkommen und spielen?
30-60 Minuten dauern die Standardprogramme. Es kommen kleine Gruppen, Freundeskreise. Jemand von ihnen spielt den Ersten Offizier, das ist der zweite Pilot. Die anderen sitzen dahinter in der Kabine und dürfen zuschauen. Ich bin der Flugkapitän und helfe, wenn nötig dem Besucher bei der Steuerung. So entsteht das einmalige Erlebnis.

— Dieser komplette Simulator scheint mir einzigartig sein. Wie können die Ungarn damit umgehen? Braucht man dazu eine gewisse Erfahrung, meine ich…
Ich hatte einmal einen jungen Mann hier, fast 16 Jahre alt und doch schon ein Profi. Er hat sich wie ein Pilot benommen und war sehr talentiert. Den anderen Gästen muss man ja die Regeln meistens genau beibringen. Wir wollen ja keine Flugkatastrophe verursachen und sollen auch die Flugverkehrsregeln genau einhalten.
Die Gäste mögen spektakuläre Flugdemonstrationen. Wir fliegen beispielsweise über die Schweizer Alpen, schauen zum Fenster hinaus und begeistern uns an der Landschaft.


Es gibt mehrere Stufen. Nicht alle trauen sich in das Cockpit, man braucht Mut und Motivation. Bei Männern geht es schneller, Erster Offizier zu werden, die Frauen getrauen sich weniger. Mit ihnen fliegen wir z.B. über Paris oder nach Mallorca und so genießen auch sie den Flug. Männer haben zum Fliegen mehr Affinität, d. h. Frauen bleiben nicht so lange hier, sie gehen zur Massage oder in die Bar.
— Das ist der große Simulator. Verraten Sie uns: Sie verfügen auch über einen anderen…
Der kleinere Simulator im anderen Raum ist auch ein ausgezeichnetes Spielzeug! Man kann da üben, wie man manuell das Flugzeug fliegt: starten, kurven, sinken, landen… also ein Erlebnis für diejenigen, die nur spielen wollen!

Lajos Káposzta

Info: http://www.csipkerozsa.com/

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