Familienforschung, Namenkunde, Ortsgeschichte…

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Seit 20 Jahren

ist der Verein Arbeitskreis ungarndeutscher Familienforscher tätig, an dessen Spitze von Anfang an Kornél Pencz steht. Aus diesem Anlass haben wir mit ihm ein Gespräch geführt.

*Wie gehören Sie zu den Ungarndeutschen, wie sehen Ihre deutschen Wurzeln aus?

Ich komme aus einer Mischehe von aus Mischehen stammenden Eltern. Aber wenn ich meine Ahnen sehe, bin ich überwiegend deutsch, beiderseits habe ich deutsche Ahnen, aber meine Hauptlinie, die der Pencz, ist die prägendste.

*Woher kommt die Schreibweise?

Ja, das ist landesweit nicht eindeutig! In Waschkut/Vaskút wurde der Name vom Beginn des 20. Jahrhunderts einheitlich so geschrieben. In Tschatali/Csátalja wurde die Schreibweise Pentz üblich. Doch mit den Tschataler Pentz haben wir nichts zu tun, es besteht nur eine Namensvetterschaft. Da ich vom Vater ein deutsches Selbstverständnis übernahm und wir in Waschkut die Verwandtschaft hatten, die noch deutschsprachig war, bleiben wir bei dieser Variante! Ich kannte meinen Pencz-Großvater nicht mehr, er war in der geraden Linie der letzte deutschsprachige. Mit mir und meinen Kindern geht es jetzt weiter. Die Hauptlinie ist also in Waschkut, aber sowohl dort, als auch mütterlicherseits stammen meine meisten deutschen Ahnen aus Hajosch. Vereinzelt habe ich noch deutsche Vorfahren aus Tschatali, Badeseck, Schomberg, Altofen sogar direkt aus Wien. Die Penz sind in den 1780-er Jahren aus Kowatsch/Nagykovácsi nach Waschkut gezogen, den Herkunftsort in Deutschland konnte ich noch nicht ermitteln. Aber bei vielen anderen Ahnen schon, ich habe Vorfahren aus Oberschwaben, der Oberpfalz, dem Breisgau, dem Allgäu und Niederösterreich. Natürlich beschäftige ich mich auch mit den nichtdeutschen Ahnen, die Bunjewatzen, Slowaken und sogar Madjaren sind.

*Wie heißt Ihre Organisation, seit wann arbeiten Sie in der Familien- und Ahnenforschung?

Unser Verein heißt Arbeitskreis ungarndeutscher Familienforscher e.V. (AKuFF), nicht verwechseln mit dem Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher e.V. (AKdFF) in Sindelfingen, der wohl zu unserer Gründung das Vorbild war.
Die Familien- und Ahnenforschung (sagen wir: Genealogie) betreibe ich seit über 25 Jahre. Schon als Student habe ich begonnen, meine eigenen Ahnen zu erforschen. Dann habe ich in Fünfkirchen andere Familienforscher kennengelernt und mir wurde klar, dass wir zusammenhalten müssten. Deswegen haben wir im November 2000 unseren Verein gegründet, in dem ich von Anfang an Obmann bin.

*Was waren die bedeutendsten Programmpunkte und Erfolge im Jahre 2019?

Unsere ständigen Programme

sind die Vereinstreffen, jährlich dreimal und immer in einem anderen Ort in Ungarn, wo Deutschen leben oder lebten. 2019 hatten wir unser Frühlingstreffen in Tolna, das Herbsttreffen in Kalasch/Budakalász. Die Treffen werden immer von Mitgliedern organisiert, die dort leben, oder irgendwie mit diesem Ort verbunden sind und dort Beziehungen haben. An beiden Großtreffen waren etwa 80 Teilnehmer, nicht nur Mitglieder, sondern auch Interessenten vor Ort. Bei einer solchen Veranstaltung gibt es ein paar Vorträge, meistens aus der Geschichte des örtlichen Deutschtums oder den Forschungsbericht eines Mitglieds. Aber fast immer haben wir ein Kulturprogramm, eine Tanzgruppe oder einen Chor, die Gastgeber zeigen uns ihre Kultur und dann besichtigen wir den Ort. Natürlich lassen wir Zeit für ungebundene Gespräche miteinander, oft sind sie sehr nützlich. Für beide Treffen erschien unsere Zeitschrift AKuFF-Bote/AKuFF Hírmondó, in der meist unsere Mitglieder ihre Forschungsergebnisse publizieren. Aber wir freuen uns über Gastbeiträge von Jedermann, die zum Thema deutsche Familienforschung schreiben. Ende Juni hatten wir ein drittes Treffen in Agendorf/Ágfalva bei Ödenburg/Sopron, das gemeinsam mit dem österreichischen Familienforscherverein “Familia Austria” veranstaltet wurde. Außer dem AKdFF haben wir mit ihnen die beste Partnerschaft.

*Wie sehen die Pläne für 2020 aus?

Wieder drei Treffen aber vielleicht nur zwei. Im April fahren wir nach Kier/Németkér, wo auch unsere Mitgliederversammlung stattfindet, bei der nach fünf Jahren auch ein neuer Vorstand gewählt wird. Am 7. November werden wir unser 20-Jahres-Jubiläum feiern, natürlich, wie alle vollen Jubiläen, in Baja. Da das eine großangelegte Veranstaltung mit vielen Gästen sein wird, fällt vielleicht das Sommertreffen aus. Der AKuFF-Bote wird auch erscheinen, im Herbst ganz umfangreich.

*Wie kann man bei Ihnen Mitglied oder Korrespondent werden?

Man erledigt das mit dem Versenden des unterschriebenen Antragsformulars, der von unserer Webseite herunterzuladen ist Es gibt keine besonderen Bedingungen, auch allzu aktiv muss man nicht sein. Aber wenn man den Mitgliedsbeitrag in zwei aufeinander folgenden Jahren nicht zahlt und auch nach Mahnung nicht tilgt, wird man ausgeschlossen.
Für unseren AKuFF-Boten kann jeder schreiben, wer ein interessantes Thema im Bereich Familienforschung hat.

*Wie können Auslandsdeutsche, hier lebende Ausländer an Ihren Aktivitäten teilnehmen?

Wir haben Mitglieder aus dem Ausland, so aus Deutschland und aus der Slowakei. Wenn ein Antrag von einem Ausländer kommt, schlage ich immer vor, lieber dem AKdFF beizutreten. Der Grund ist, dass unsere Vereinstreffen überwiegend auf Ungarisch gehalten werden, da sehr wenige unserer Mitglieder die deutsche Sprache auf einem solchen Niveau beherrschen, dass sie daran teilnehmen könnten. Das zeigt sich deutlich, wenn wir deutschsprachige Referenten haben. So muss ich bei unseren Treffen alle Vorträge auf Deutsch bzw. auf Ungarisch dolmetschen. Die deutsche Sprache ist mir eine Herzenssache. Deswegen wird unser Mitteilungsblatt zweisprachig erscheinen, so lange ich an der Spitze des Vereins stehe. Aber unsere Mitgliedschaft kann ich nicht zwingen, deutsch zu lernen.

Lajos Káposzta

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