Zur Weinkultur

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In vielen Kellern, Esszimmern und Küchen wurden schon die frischen Weine
verkostet. Die Weinkenner haben wahrscheinlich Farbe, Geschmack und Aroma
der heurigen Sorten schon analysiert und miteinander besprochen.
Es ist gut, wenn man die lokalen Weine kennt und diese mit anderen Sorten
vergleicht. Man darf nicht vergessen, dass auf den verschiedenen Böden und
unter den verschiedenen Klimabedingungen auch unterschiedliche Weinsorten
angebaut werden. Auch Gärung und Lagerung können den Charakter des
Weines wesentlich beeinflussen. Maßgebend sind bei der Weinprobe selbst Art
und Weise wie man den Wein trinkt: im Keller, in einer Weinstube, beim
Abendessen oder „nur so”? Viele sagen, Wein darf man nur ruhig trinken, die
Schlucke einzeln genießen und natürlich mit Maß, aber das Maß darf keinesfalls
der Eimer sein.
Was passiert aber dann, wenn man durstig ist, viel trinken will und schnell?
„— Dann nehme ich mein Bier” — ruft Udo aus der Eck’…
Nein, nein: man kann auch einen Gespritzten bestellen oder zu Hause selbst
komponieren. Ja, richtig: komponieren – mit Wein und Sodawasser! Die
ungarische Spritzerkultur entstand im 19. Jh., als sich Schriftsteller und Künstler
in den Gartenlokalen trafen. So wurden durch mehrere Generationen diese
Trinktraditionen geformt und gepflegt.
Nehmen wir also ein Fachbuch aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jh! Mit den
Maßangaben haben wir keine Schwierigkeiten, da seit 1874 Liter, Meter und
Kilogramm die offiziellen Einheiten sind. Damit der geneigte ausländische
Leser unsere Fachausdrücke versteht, muss er wissen, dass in Ungarn 1/10 Liter
ein Deziliter (dl) heißt. Also:

Kleiner Spritzer (kisfröccs): 1 dl Wein + 1 dl Sodawasser
Grosser Spritzer (nagyfröccs): 2 dl Wein + 1 dl Sodawasser
Langer Schritt (hosszúlépés): 1 dl Wein + 2 dl Sodawasser
Hausmeister (házmester): 3 dl Wein + 2 dl Sodawasser

Dann vergessen wir auch nicht, was eine der größten Gestalten der ungarischen
Weinstubenliteratur, der Schriftsteller Gyula Krúdy, gesagt hat. Bei ihm kommt
nämlich auf 5 l Wein 1 dl Sodawasser, damit es ihn zum Lachen bringt…
Und am Ende noch einen Rat: es ist ein Irrtum, dass Spritzer vor allem aus Wein
schlechter Qualität zubereitet wird. Der Grundstoff des Spritzers muss ebenso
qualitativ und fein sein wie beim Schoppen. Die Kenner kosten deshalb zuerst
den reinen Wein und erst dann lassen sie das Sodawasser in das Glas spritzen.