Deutsche Messe der Erzdiözese in Hajosch

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Die jährliche deutsche Messe

der Erzdiözese Kalocsa-Kecskemét wurde diesmal in der Sankt Emerich Kirche zu Hajosch veranstaltet. Die Gläubigen kamen aus Hajosch und den umliegenden Dörfern bzw. der Nordbatschka. Viele trugen Volkstracht, was die Andacht deutlich vertiefte, Ungarndeutsche untereinander! Nach der Zeremonie wurden alle Teilnehmer zu Kuchen und Wein im Park neben der Kirche eingeladen. Sie konnten anschließend das Konzert der Jugendblaskapelle der Kleinstadt bzw. die Akkordeonmusik von Franz Schön, Stefan Huber und László Bicsérdy hören.

Die beim Eingang ausgeteilten Hefte und die gleichzeitige Projizierung der Gebets- und Liedertexte haben die Teilnahme an der Messe wesentlich erleichtert. Die Predigt wurde vom Bajaer Stadtpriester Matthias Schindler gehalten. Was ungewöhnlich war, in beiden Sprachen. Er begründete seine Entscheidung damit, dass das Thema sehr wichtig ist und er vermutet, dass in der Hörerschaft auch solche Leute sind, die deutsch zwar noch oder schon verstehen, aber der Sprache nicht so mächtig sind, dass sie den vollkommenen Sinn der Predigt erfassen würden.

Das war eine gute Entscheidung — kann man nachträglich bestätigen!

Nach den Lesungen kamen die Bibelverse, die Grundlage der Predigt waren,

Die Erhörung der Bitte einer heidnischen Frau

Matthäus 15. Vers 21-28.

Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief:
Hab` Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.

Jesus aber gab ihr keine Antwort.
Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei` sie von ihrer Sorge,
denn sie schreit hinter uns her.

Er antwortete, ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!

Er erwiderte: Es ist nicht recht,
das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.

Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr!
Aber selbst Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.

Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.
Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Einige Gedanken aus der Predigt von Matthias Schindler:

Es gibt Geschichten in der Bibel, die man gerne erzählt, z. B. Das verlorene Schaf. Hierzu zählen auch Geschichten, in denen es um den heilenden Jesus geht. Aber die hier vorgetragenen Verse aus dem Matthäusevangelium vermitteln uns ein anderes Gefühl. Dieser Jesus will nicht helfen, die Frau ist im Auge der Juden eine Heidin, also ungläubig. Er macht Unterschiede zwischen den Menschen, und weder die Mutter noch das kranke Kind dürfen ihn berühren.

Den Jüngern wurde diese Situation peinlich, die Frau gab nämlich nicht auf, sondern lief ihnen nach, erflehte und bettelte um Hilfe. Sie forderten von Jesu eine Reaktion. Ja, aber was für eine Reaktion? Jesus verhielt sich bis zu diesem Zeitpunkt, als wäre er der Meinung, „diese Frau gehört nicht zu meiner Zielgruppe“ oder „ich bin dafür nicht zuständig“.

Diese Argumente klingen für uns auch bekannt, nicht wahr? Wir hören solche Sätze täglich. Und wir verwenden sie selbst auch nur zu häufig…

Hatte Jesus Angst, dass er mit der Hilfeleistung seine Kraft vergeudet? Oder war das einfach eine Art Ignoranz gegenüber den Heiden? Doch was geschah dann? Ein Dialog! Die Frau blieb nämlich unverzagt im Gespräch. Sie brachte ihre verzweifelte Hoffnung zum Ausdruck. Sie war, aus heutiger Sicht, eine Künstlerin in der Kommunikation. Sie nutzte das Gleichnis vom Brot und den Hunden für ihre Argumentation: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

Sie wurde von Jesu endlich wegen ihres Glaubens erhört und das Kind wurde geheilt. Man kann aber ruhig zugeben, in diesem Dialog hat sich auch Jesus selbst weiterentwickelt — wie eben wir, die Zuschauer. Kommunikation pro und kontra, Rückmeldungen, Gesten, Argumente… Er konnte sie in ihrer Verzweiflung eigentlich nicht allein lassen. Denn nicht mehr die Herkunft der Frau war maßgebend, sondern ihr Glaube!

Diese Erkenntnis berührte Viele, sie traf einfach ins Herz, das spürte man bei den anschließenden Gesprächen!

Am Ende der heiligen Messe wurde der beliebte ungarndeutsche Priester, Johann Bergmann, geehrt. Er hat dieses Jahr nämlich sein 60. Priesterjubiläum. Beim Ausgang konnten die Leute sein Geschenk, ein Lesezeichen mit dem Psalmzitat: „Alle meine Quellen sind in dir!“ mitnehmen.

Lajos Káposzta

Unser Artikel über Ungarndeutsche