„Ich habe 1944 Budapest verteidigt”

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Die Belagerung der Hauptstadt

Vor etwa 76 Jahren, am 13. Februar 1945 ist Budapest gefallen. Nach den schweren Bombenangriffen der Alliierten wurde die Hauptstadt von der Roten Armee belagert. Die Verteidiger waren deutsche und ungarische Soldaten. Die Straßenkämpfe waren auch im Vergleich zu anderen Schlachten im 2. Weltkrieg besonders blutig. Anschließend mussten die Sowjets Zigtausende Kriegsgefangene deportieren, um Stalin zu beweisen, dass die Einnahme der ungarischen Hauptstadt wegen des starken feindlichen Widerstands so lange gedauert hatte. Es gab aber zum Ende der Kampfhandlungen gar nicht so viele deutsche und ungarische Kämpfer… . Man sammelte also Gefangene aus den Reihen der aus Luftschutzkellern hervorkletternden Zivilbevölkerung.

Seitdem sind fast 76 Jahre vergangen. Es gibt kaum noch Soldaten aus der damaligen Zeit. Deshalb war es ein Erlebnis, als ich kürzlich die Information erhielt, dass in einer Tanya zwischen Soltvadkert und Kecel ein alter Herr lebt, der im zweiten Weltkrieg gekämpft hatte, Ich habe ihn vor einigen Jahren mit einem alten Ortshistoriker besucht.

Mihály Rácz (links) und Soltvadkerter Ortshistoriker László Fecske (rechts)

Mihály Rácz ist 1921 geboren. Er stammt aus dem Dorf Szakmár neben Kalocsa. Vor einigen Jahren zog er zu seiner Tochter, in die zu Soltvadkert gehörige Flur namens Csábor. Bei meinem Besuch haben wir uns schnell angefreundet. Wie er mir erzählte und mit dem alten Ausweis bewies, diente er in den 1940-er Jahren als Soldat in der ungarischen Armee. Seine Geschichten sind eher selten lustig, manchmal berührend oder sogar schrecklich.

  • Ich gehörte zu den letzten Soldaten, die über die Kettenbrücke von Pest nach Buda gegangen sind. Am 18. Januar 1945 kamen die Russen schon so nah an die Donau, dass man die Kettenbrücke sprengen musste, um den Budaer Stadtteil noch halten zu können.

Der Sturm der Hauptstadt dauerte 2 Monate lang. Wie haben sie das Ende erlebt?

  • Unsere Stellungen wurden immer enger. Unsere Einheit verteidigte sich letztendlich auf dem Krisztina Platz und dem Keller vom Staatsarchiv auf der Burg. Der Feind rückte immer näher, unsere Munition wurde knapp, wir kapitulierten am 12. Februar – und einen Tag später auch die Hauptstadt.

Man kann in zahlreichen Memoiren lesen, wie grausam die Russen waren. Wie haben Sie das erlebt?

  • Die Russen sammelten etwa 3.000 Gefangene auf dem Krisztina Platz. Wir wurden in Reihen geordnet, je 5 Männer mussten nebeneinanderstehen. So konnte man leichter zählen! Ein junger Feldwebel trieb uns mit der Maschinenpistole an. Dann kam eine neue Einheit Gefangene. Sie wurden an eine Mauer gestellt und der junge Feldwebel erschoss alle mit seiner Waffe. Wir waren verwundert, denn diese Leute trugen die Uniform der Sowjetarmee. Dann hörte ich, sie seien russische Soldaten gewesen, die in deutsche Gefangenschaft geraten waren und so dem Feind (in der Küche und beim Transport) während des Sturms „geholfen“ hätten. Also bekamen sie von ihren Landsleuten nach der Befreiung sofort eine Kugel..

Wie entwickelte sich Ihr Schicksal nachher?

  • Ich wurde mit meinen Kameraden in sowjetische Gefangenschaft verschleppt. Das war sehr weit, in Sewerlowska. Sommers arbeiteten wir auf der Wiese, winters im Wald. Das war eine sehr harte Arbeit, aber für diejenigen, die in die Kohlengruben gehen mussten, war es noch härter. Ich war einmal krank und geriet in Quarantäne. Der Lagerkommandant hat mich einmal gefragt: „Rácz, warum schreiben Sie keinen Brief nach Hause? Mit Hilfe der Feldpost könnten Sie von ihrem Überleben ihre Familie informieren!“ Da habe ich aber gesagt: „Ich schreibe keinen Brief. Ich selbst werde der Brief sein!“ Es kam auch so, 1947 kehrte ich nach Hause, in mein kleines Dorf neben Kalocsa, zurück
Mit dem Bild des ehemaligen Kommandanten

Mihály Rácz zeigte mir seine Dokumente und Auszeichnungen, die er aus der Militärzeit und den späteren Jahren als ausgezeichneter LPG-Arbeiter bis heute aufbewahrt hat. Das Gebetsbuch für Soldaten, den Militärkalender aus dem Jahr 1944, die Auszeichnungen als bester Getreidebauer aus den 60-er Jahren und einige alte Geldmünzen haben seine Geschichten gut ergänzt. Wir wünschen unseren verbliebenen Veteranen noch viel Kraft, damit sie als Zeitzeugen ihre Erinnerungen weitergeben können!

Lajos Káposzta

Titelbild: Lajos Káposzta, Mihály Rácz, László Fecske

Artikel: Erinnerung an die gefallenen Soldaten des 2. Weltkrieges in Pécs (H)