Impfung gegen Sars-Corona in Ungarn. Oder keine Impfung. Oder…

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Einige wollen das. Andere wollen das nicht. Wieder andere sind ratlos.

Also wer ist berechtigt?

In diesem Artikel gehen wir davon hinaus, dass es ein Menschenrecht ist, Impfung gegen COVID-19 zu erhalten. Gegen Entgelt oder kostenlos, freiwillig und so schnell wie möglich.

Wenn jemand das will.

In Ungarn ist es relativ einfach zur Impfung zu kommen. Ja: für diejenigen, die in Ungarn krankenversichert sind. Also in erster Linie die ungarischen Staatsbürger (nicht alle), dann diejenigen, die in Ungarn gearbeitet haben und diejenigen Ausländer, die bis vor 5 Jahren die ungarische Krankenversicherungskarte (TAJ-kártya) beantragt und erhalten haben. Die späteren „Neubürger“ sind aufgrund ihrer deutschen, österreichischen, niederländischen usw. Krankenkasse in Ungarn versichert. ABER: ohne diese wichtige TAJ-Nummer.

Und diese TAJ-Nummer ist jetzt sehr wichtig geworden.

Einer unserer Leser lebt in Soltvadkert. Er und seine Frau sind deutsche Staatsbürger. Rentner, die sich vor einem Jahr in der Kleinstadt angesiedelt haben. Er schreibt uns folgendes:

Wir wollen uns vor der Corona schützen und – soweit es möglich ist – vorbeugen. Aber, wie es sich erwiesen hat, werden wir, hier in Ungarn, keine Impfung erhalten. Der Grund ist, wir sind in der Ungarischen Krankenversicherung nicht Mitglied. Aber nur die Bürger, die über diese KV verfügen, können sich im Internet registrieren lassen und die Impfung erhalten.

Das ist die letzte und neueste Info, die ich erhalten habe, von der deutschen Botschaft.

Ich denke, und das ist meine Sicht, das ist im Grunde ein Skandal – eine 2-Klassen-Gesellschaft. Es gibt hier in Ungarn sehr viele Menschen / Ausländer / Rentner / Urlauber / Hausbesitzer am Balaton / … , die ihre Kaufkraft in dieses Land bringen und das sind sicher viele Millionen Euro, jedes Jahr, die für die Wirtschaft enorm wichtig sind.

Unsere Bitte wäre, dass auch andere Bewohner hier, die zumindest eine Wohnsitzkarte besitzen, eine Impfung erhalten, im Sinne aller Bürger (wegen Verminderung der Ansteckungsgefahr und zum Schutze von Leib und Leben) – auch denke ich, es könnte eine große Bombe hochgehen…, wenn sich derart Verfahren herumspricht – heute sehr viel schneller über das Internet…

Wir haben die deutsch sprechende Hausärztin von Bócsa, Dr. Hajnalka Kokrehel gefragt: wie könnte man dieses Problem lösen?

Ja, man hat sich mehrmals mit der Bitte an mich gewendet — sagt die sehr erfahrene Hausärztin — aber das System der Registrierung / der elektronischen Beantragung der Impfung ermöglicht es gar nicht, ohne ungarische Versicherungsnummer (TAJ-szám) weiterzukommen. Man kommt nicht weiter.

  • Ja, dann nehmen wir an, der Patient würde dafür bezahlen!

Die Impfung ist in Ungarn kostenlos. Sie hat keinen Preis und man kann sie nicht in den Apotheken kaufen. Nur nach der Anmeldung im Internet oder mit der Hilfe des Hausarztes. Aber diese TAJ-Nummer ist unentbehrlich.

  • Dann mit der Nachfinanzierung der deutschen / österreichischen / belgischen usw. Krankenkasse der hier wohnenden Ausländer?

Technisch undurchführbar: der Impfstoff — wie gesagt — hat keinen Preis. Wie könnte man das in Rechnung stellen?

  • Warum hat der Impfstoff keinen Preis?

Es würde dann würde die Gefahr bestehen, dass jemand Impfstoffe bestellt und dann an Ausländer, die ihn haben wollen, zu höherem Preis verkauft. Sagen wir einfach: dieser Impfstoff ist eine streng staatliche Monopolware! Zugleich eine Mangelware — auf europäischer Ebene sicher…

  • Kann diese Impfung nicht als akute Krankenversorgung eingereicht werden?

Nein. Akut ist eine Blinddarmoperation, die Versorgung nach einem Unfall oder einem lebensrettenden Eingriff. Impfungen gehören in die Kategorie der chronischen Behandlungen — ebenso wie das Testen! — und das müssen die „Neubürger“ in dem Land in Anspruch nehmen, in dem sie krankenversichert sind. Aber wenn sie dann nach Ungarn wieder einreisen, unabhängig von ihren evtl. Impfpässen kommen sie automatisch in Quarantäne hier…

  • Aber wäre der „Neubürger“ in Ungarn COVID-erkrankt, dann müsste er ins Krankenhaus.

Ja, sofort! Aber das kostete den ungarischen Staat viel mehr als eine Impfung…

Nach diesem, lehrreichen und auch in gewisser Weise absurden Gespräch habe ich den Parlamentsabgeordneten des Wahlkreises, Sándor Font angerufen. Ich wollte wissen, was er über diese Situation denkt. Sogar: welche zielführenden Maßnahmen oder ggf. Gesetzesänderungsvorschläge er empfehlen könnte.

Ja, es stimmt, die Lage der hier lebenden EU-Staatsbürger und Bürger aus Drittländern sei aus dieser Hinsicht nicht klar — so seine Sicht. Aber wir haben noch problematischere Faktoren, hier in Ungarn, im Rahmen dieser Pandemie, als die relativ wenigen westeuropäischen Ehepaare, wenn wir sie rein statistisch betrachten — es handelt sich um einige Senioren, die in ihren Einzelhöfen oder Häusern relativ isoliert ihr Leben führen. Es ist natürlich richtig, dass diese Menschen möglichen Infektionen ausgeliefert sind, aber, wir gehen davon aus, dass diese Bevölkerungsgruppe vorsichtig ist und unnötige Kontakte mit der übrigen Bevölkerung vermeidet.

Die andere Bevölkerungsgruppe, die rumänischen und ukrainischen Gastarbeiter, die in Einzelhöfen untergebracht sind und regelmäßig zur landwirtschaftlichen Arbeit gehen, verfügen größtenteils auch nicht über Krankenversicherung in Ungarn. Dementsprechend ist das Risiko bei ihnen ebenso groß – oder sogar noch größer, denn diese Menschen leben nicht selten in Gruppen oder Familien, wodurch ein Virus evtl. auch leichter verbreitet werden könnte…

Und einige Tage später, nach heftigem Briefwechsel kam die Lösung! Der Zugang der Ausländer zu Krankenkassennummer in Ungarn ist möglich,. auf offiziellem Wege. Aber wie?

Siehe unseren Artikel HIER 

Lajos Káposzta

Unser Artikel über Impfpflicht im Allgemeinen in Ungarn