Sie mussten nach dem Krieg die Heimat verlassen

Voller Saal an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

80 Jahre vergingen seit dem Beginn der Vertreibung der Ungarndeutschen: Das war eine traurige Epoche der Geschichte des Landes. Und wie ist die Situation jetzt?

Etwa 450.000 deutsche Mitbürger in Ungarn 1945: Kriegsverbrecher mit kollektiver Schuld oder Opfer?

Anlässlich der vor 80 Jahren begonnenen Vertreibung dieser Nationalität aus Ungarn hat die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) eine hochwertige Gedenkkonferenz im Zentralgebäude der Ungarischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet. Sowohl Professoren als auch junge Forscher haben ihre wissenschaftlichen Studien über das Schicksal der Ungarndeutschen 1944-1950 vor dem großen Publikum dargestellt. Die Hauptfragen waren folgende: Wie war der Status dieser ungarischen Staatsbürger damals? Wie hat man diese Vertreibung staatlich organisiert? Wer konnte entkommen? Wie setzten sie ihr Leben in der neuen / alten Heimat fort?

Den Krieg und die Verschleppung überlebt — aber zu welchem Preis?

Mehr als 200.000 Deutsche sind nach 1948 in Ungarn geblieben, aber ihre Nationalitätsrechte und Möglichkeiten wurden im kommunistischen Staat stark beschränkt. „Mit uns, Kindern und Enkelkindern hat man nicht mehr Deutsch gesprochen“ — behauptete Tamás Freund, Präsident der Akademie. Das galt als größte Nachwirkung der Zwangsaussiedlung der Hälfte der damals 4-500.000 zählenden Ungarndeutschen. Sprache, Traditionen und Selbstbewusstsein gingen verloren. Die meisten ungarischen Staatsbürger wissen heute kaum etwas über diese Jahre. Wie aber Bundesbeauftragter Bernd Fabritius in seiner Festrede betonte: „darüber darf und sogar muss gesprochen werden!“

Joschi Ament saß unter den deutschen Ehrengästen. Er ist Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Seine Familie stammt aus der ostungarischen Kleinstadt Elek. In seiner Rede betonte er: Unsere Aufgabe ist, Identität bei den Jugendlichen zu bilden. Das geschieht leider in den Familien nicht mehr. Deshalb sind wir in den Klassenzimmern, Klubs und bei Konferenzen da.

Er hat betont: Der Verlust der historischen Wurzeln ist ein europaweites Phänomen. Deshalb ist es wichtig Bewusstsein in den Menschen wachzurufen.

Gastgeber und Ehrengäste: Gregor Gallai (Spitzenkandidat der ungarndeutschen Einheitsliste bei den Parlamentswahlen 2026), Miklós Soltész (Staatssekretär für Kirchen- und Nationalitätsangelegenheiten), Ibolya Hock-Englender (Vorsitzende der LdU), Bernd Fabritius (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten), Joschi Ament (Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen in Ungarn (BRD)

Wie darf / soll man diesen Prozess richtig nennen?

Bei der Konferenz wurde das Thema Verschleppung-Zwangsaussiedlung-Vertreibung aus vieler Hinsicht analysiert. Es war eine treffende Einführung, als Geschichtslehrer László Schindler die Lehrbücher analysierte: Was haben Schulkinder über das ungarndeutsche Schicksal bis 1990 und dann, nach dem politischen Wechsel, in den nachfolgenden Jahrzehnten gelernt? Dann kam ein Vortrag über europäische politische Lage 1944-1946 — „Flucht und Vertreibung in Europa“, den juristische Erörterungen über Kollektivschuld und Regierungsverantwortung folgten.

Peter Schweininger ist ein junger ungarndeutscher Wissenschaftler. Er hat die Geschichte eines Dorfes namens Saar / Szár im Komitat Fejér bearbeitet. Er sprach in seinem Vortrag über die Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung des Dorfes. Es war nicht eindeutig, wer gehen muss und wer bleiben kann. Der Staat brauchte das Ackerland für seine politischen Zwecke (siehe Landverteilung), aber die dort lebenden Bergleute wären auch wichtig gewesen…

Der Neuanfang dieser Vertriebenen in den unterschiedlichen Besatzungszonen war auch für viele Zuhörer ein weißer Fleck. Die mit Bildern, Zitaten und sogar Tonaufnahmen illustrierten Vorträge darüber waren gleichzeitig bewegend und zum Lächeln anregend.

„Nie wieder!“ — Mit diesem Motto hat die ungarndeutsche Universitätslehrerin, Maria Erb, abgeschlossen, wobei sie die Motive, die Inschriften und die Kompositionen der Gedenkstätten der Verschleppung in den einzelnen Siedlungen vorgestellt und analysiert hat.

Warum ist das heute wichtig?

Weil „Nie wieder“ nicht nur eine historische Aussage ist, sondern eine Verantwortung der Gegenwart – die Grundlage von Erinnerung, Wissen und Verständnis.

Für die stilgemäße, musikalische Umrahmung sorgten das Jugendblasorchester aus Sóskút und das Holczinger-Molnár Duo.

(Im Artikel waren nicht alle Vorträge mit Titel und Referenten erwähnt!)

Lajos Káposzta

Bildreportage über die Landesgala der Ungarndeutschen im Januar 2026

Gastgeber und Ehrengäste:

Gregor Gallai (Spitzenkandidat der ungarndeutschen Einheitsliste bei den Parlamentswahlen 2026), Miklós Soltész (Staatssekretär für Kirchen- und Nationalitätsangelegenheiten), Ibolya Hock-Englender (Vorsitzende der LdU), Bernd Fabritius (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten), Joschi Ament (Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen in Ungarn (BRD)