Fest mit ungarndeutscher Musik, Volkstanz und Auszeichnungen

Die Veranstaltung bot erneut eine besondere Gelegenheit, gemeinsam die kulturelle Vielfalt, und die zukunftsweisenden Werte der ungarndeutschen Gemeinschaft zu feiern – auch wenn das diesmal ausgesprochen ungünstige Wetter die Anreise vieler Gäste erschwerte. Jugendliche, Forschende und engagierte Vorbilder wurden aus diesem Anlass auch ausgezeichnet.
Fotos: Lajos Káposzta
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Zu Beginn der Festveranstaltung erklangen die Ungarische Nationalhymne sowie die Hymne der Ungarndeutschen, feierlich dargeboten von der Blaskapelle „Haraster Dorfmusik“ und dem Intermelody Chor aus Surgetin. Der Abend stand ganz im Zeichen herausragender künstlerischer Leistungen und ausgezeichneter Mitwirkender. Den Gästen wurde ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Galaprogramm geboten, das die Vielfalt ungarndeutscher Kultur eindrucksvoll widerspiegelte. Die Moderation des Abends übernahm Kristina Szeiberling-Pánovics, die im Namen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen durch das Programm führte.


Im Rahmen der Gala wurden die ranghöchsten Auszeichnungen der ungarndeutschen Gemeinschaft überreicht.
Junge Menschen für die Zukunft der Gemeinschaft – Verleihung der Valeria-Koch-Preise
Einen zentralen Programmpunkt des Nachmittags bildete die Verleihung der Valeria-Koch-Preise. Mit dieser Auszeichnung werden Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen sowie Studierende geehrt, die sich mit außergewöhnlichem Engagement für die Bewahrung und Weitergabe der ungarndeutschen Sprache, Kultur und Traditionen einsetzen. Überreicht wurden die Preise von Theresia Szauter, der Vorsitzenden des Bildungsausschusses der LdU, sowie Erik Richolm, dem Vorsitzenden des Jugendausschusses.
Den Valeria-Koch-Preis erhielten Kira Hergert, Ludovika Franziska Pencz-Amrein und Barbara Werner. Sie sind durch ihre schulischen Leistungen, ihr Gemeinschaftsengagement sowie ihre künstlerische und jugendpolitische Tätigkeit Vorbilder für ihre Altersgenossen. Gemeinsam ist ihnen die tiefe Verbundenheit mit der deutschen Sprache – einschließlich der Dialekte –, die aktive Traditionspflege und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft.
Anerkennung wissenschaftlicher Exzellenz – Otto-Heinek-Preis
Im weiteren Verlauf der Gala wurde der Otto-Heinek-Preis verliehen, mit dem herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu Themen der ungarndeutschen Gemeinschaft von Forschenden unter 40 Jahren gewürdigt werden. Die Auszeichnungen überreichte Olivia Schubert, stellvertretende Vorsitzende der LdU.
Mit dem Otto-Heinek-Preis wurden Dr. Viktoria Muka, Dr. Viktoria Nagy und Dr. Gabriella Sós ausgezeichnet. In ihren Dissertationen bieten sie zeitgemäße und innovative Analysen zur Identität, Sprache und Geschichte der Ungarndeutschen sowie zu deren Rolle in gesellschaftlichen Prozessen. Ihre Forschungen sind nicht nur wissenschaftlich bedeutsam, sondern stärken auch unmittelbar das gemeinschaftliche Selbstverständnis und die gesellschaftliche Sichtbarkeit der Ungarndeutschen.
Höchste Auszeichnung – Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum
Als Höhepunkt der Gala fand die Verleihung der höchsten Auszeichnung der Landesselbstverwaltung, der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum, statt. Die Geehrten nahmen die Auszeichnung aus den Händen der Vorsitzenden Ibolya Hock-Englender entgegen.
In diesem Jahr erhielten Dr. Elisabeth Sándor-Szalay, Elisabeth Simon-Rummel (wegen Krankheit leider nicht anwesend) und Udo Pörschke die Goldene Ehrennadel – in Anerkennung ihrer jahrzehntelangen, beispielhaften fachlichen, gemeinschaftlichen und kulturellen Verdienste. Ihr Wirken hat maßgeblich zur rechtlichen, kulturellen, bildungsbezogenen und gesellschaftlichen Stärkung der ungarndeutschen Gemeinschaft beigetragen und dazu, dass Geschichte und Gegenwart der Ungarndeutschen im Inland wie auch international stärker wahrgenommen werden.
Gemeinsames Fest, lebendige Tradition
Im Laufe des Abends sorgten preisgekrönte, künstlerisch herausragende ungarndeutsche Kulturensembles dafür, dass die Gala zu einem echten Fest der Gemeinschaft wurde. Die Darbietungen machten einmal mehr deutlich: Die Kultur der Ungarndeutschen ist lebendig, vielfältig und wird von den jungen Generationen engagiert weitergetragen.
Fotos: Lajos Káposzta
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Mehr über die Ausgezeichneten:
Valeria-Koch-Preis:

In der Grundschule besuchte sie eine deutsche einsprachige Klasse. Später, als sie schon an Wettbewerben teilnehmen konnte, ließ sie keine Möglichkeit aus, um zu zeigen, wie gern sie die deutsche Sprache benutzt. Auch in der Mundart zeigte sie ihr Können und nahm öfters an Rezitationswettbewerben teil. Sie ist der Meinung, dass einen Dialekt zu verstehen und auch zu sprechen ein großes Privileg ist, Teil ihrer Kultur. Sie sagt, dass es sie stolz macht, in der Volkstracht ihrer Urgroßmutter vor die Jury zu treten und war über den fünften Platz beim Landeswettbewerb 2025 sehr erfreut.
Seit drei Jahren ist sie in dem Verein für ungarndeutsche Kinder tätig, durch den sie deutschsprachige Lager und andere Programme für Kinder und Jugendliche anbieten.
Besonders gern engagiert sie sich für die Bewahrung der ungarndeutschen Traditionen, wozu das Camp jedes Jahr einen guten Schauplatz bietet.
Zur Pflege der Traditionen gehört ihres Erachtens auch die Bewahrung des Liedgutes, deshalb ist sie Mitglied im Chor ihrer Schule, des Valeria-Koch-Bildungszentrums. An verschiedenen schulischen und städtischen Programmen tragen sie mit ihren Auftritten dazu bei, dass die ungarndeutschen Volkslieder nicht in Vergessenheit geraten.
Sie nahm vor einigen Jahren an einer internationalen Jugendbegegnung in Frankfurt teil. Da hatte sie die Möglichkeit, andere Jugendliche aus ganz Europa kennenzulernen, durch sie erfuhr sie viel darüber, wie die deutsche Minderheit in anderen Ländern ihre Sprache, ihre Traditionen pflegt und bewahrt. Das gab ihr nochmal neuen Schwung und seit vergangenem Jahr ist sie Mitglied der GJU von Wemend, wo ihr Vater auch schon als Jugendlicher tätig war.
Sie wirkt bei Veranstaltungen ihres Wohnortes Mischlen/Kozármisleny auch mit, so zum Beispiel bei der Einweihung des Denkmals zum Gedenken an die Ansiedlung oder bei der Kranzniederlegung zu Pfingsten.
Ihr Ziel ist es, das Ungarndeutschtum in so vielen Bereichen wie möglich zu vertreten und damit die Bräuche ihrer Ahnen zu bewahren.
LUDOVIKA FRANZISKA PENCZ-AMREIN ist in einer ungarndeutschen Familie aufgewachsen, lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Nadasch, in der Branau. Ihre Muttersprache ist Deutsch, diese sprechen sie innerhalb der Familie, Ungarisch hat sie von Verwandten und im Kindergarten gelernt.
Besonders wichtig ist für sie der Einfluss ihrer Großmutter mütterlicherseits, durch die sie nicht nur die Mundart, sondern auch örtliche Sprichwörter und Redewendungen kennen lernte.
Nach dem Besuch des Kindergartens in ihrem Heimatdorf besuchte sie in der Grundschule eine deutschsprachige Klasse. Ihre schulischen Leistungen waren in jedem Jahr ausgezeichnet, sie nimmt auch erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben teil, u.a. für Deutsch als Nationalitätensprache und Volkskunde.
Seit 2015 ist sie Mitglied im Chor ihrer Schule, des Valeria-Koch-Bildungszentrums, mit dem sie diverse Veranstaltungen mitgestalten, z.B. die deutschsprachige Messe, das Nationalitätenfest und das Wunderbar Festival in Fünfkirchen.
In der Theater-AG der Schule engagiert sie sich ebenfalls, nahm mit ihr bereits zweimal am Theatertreffen ungarndeutscher Gymnasien an der Deutschen Bühne in Seksard teil. Sie rezitiert gerne bei Schulveranstaltungen und spielte die Hauptrolle in dem Hörspiel „Der Prinz und die Rose“, das auf Valeria Kochs Werk basiert. Auch im Dokumentarfilm „Ein Franke lernt Polka“ wirkte sie mit.
Auch bei ungarndeutschen Programmen ihres Heimatortes ist sie tätig: sie spielte die Hauptrolle in einem von Ildikó Frank inszenierten Theaterstück, ist Mitglied im Chor „Heilige Margarethe von Schottland“, mit dem sie bei den Messen auf Deutsch singen und während der Fastenzeit Passionsspiele auf Deutsch aufführen.
Sie engagiert sich auch in dem Verein Arbeitskreis ungarndeutscher Familienforscher, wodurch sie die Möglichkeit hat, ungarndeutsche Siedlungen des Landes kennenzulernen.
Nach dem Abitur möchte sie einen Studienplatz im Bereich Internationale Beziehungen erwerben. Sie hält es für wichtig, mehr über die Geschichte ihrer Volksgruppe zu erfahren und ist der Meinung, dass nicht nur die Angehörigen der deutschen Nationalität in Ungarn, sondern auch die Mehrheitsbevölkerung und die in Deutschland lebenden Deutschen mehr über uns wissen sollten.
BARBARA WERNER ist Gymnasiastin im 12. Jahrgang. Schon von klein auf hat sie sich sowohl durch ihre schulischen Leistungen als auch durch ihr Engagement im Gemeinschaftsleben bemüht, aktiv zur Pflege der ungarndeutschen Traditionen sowie zur Bewahrung der sprachlichen und kulturellen Werte dieser beizutragen.
Seit ihrer Geburt spricht ihr Vater ausschließlich Deutsch mit ihr, so ist sie zweisprachig aufgewachsen.
Seit ihrer Kindergartenzeit tanzt sie ungarndeutsche Volkstänze, ist auch Mitglied im Chor der Schule. Bei den Chorbewertungen in Seksard erzielte der Chor stets hervorragende Ergebnisse mit seinem Repertoire an deutschen Liedern. Mehrmals begleiteten sie die deutschen Messen in Fünfkirchen.
Bei den monatlichen deutschsprachigen Messen im Dom zu Fünfkirchen wirkt sie in der Regel beim Vorlesen der Fürbitten, gelegentlich aber auch einer der Lesungen mit.
Darüber hinaus ist sie seit 2023 Jugendleiterin des Vereins VUK („Verein für ungarndeutsche Kinder“). Sie nimmt regelmäßig an Veranstaltungen wie die Strategietagung und die Jugendleiterbildung teil.
Zur Unterstützung des Vereins beteiligte sie sich an einer Schulung in Deutschland, wobei sie neue Methoden und Spiele kennen lernte, mit denen sie die Vereinsaktivitäten künftig noch abwechslungsreicher gestalten kann.
2024 hat sie das Stipendium der Selbstverwaltung von Fünfkirchen für die im Nationalitätenbereich tätigen Schüler und Studenten und das staatliche Stipendium für Nationalitätenschüler erworben.
Sie nimmt auch an den Landeswettbewerben für Deutsch und Volkskunde teil. Ihren größten Erfolg erzielte sie 2025: Sowohl in Deutsch als Muttersprache, als auch in Deutsch als Fremdsprache erreichte sie im Landesentscheid den 6. Platz.
Nach dem Abitur möchte sie Wirtschaftswissenschaften studieren.
Auch in der Zukunft plant sie, sich weiterhin engagiert dafür einzusetzen, dass die deutsche Sprache und Kultur in Ungarn erhalten bleiben, dass sich immer mehr Menschen zu ihren Wurzeln und ihrer Herkunft offen bekennen. Sie wird in Zukunft danach streben, ihren Kindern ihre „Vatersprache”, also Deutsch weiterzugeben.
Otto-Heinek-Preis:
„Identitätspolitische Kontinuitäten bei den Deutschen aus Ungarn in der «neuen Heimat» – Der Fronleichnams-Blumenteppich als Alleinstellungsmerkmal von Budaörs“ – diesen Titel trägt die Dissertationsarbeit von DR. VIKTORIA MUKA, die sie 2025 mit der Bewertung summa cum laude verteidigt hat.
Im Zentrum der Arbeit steht die identitätspolitische Instrumentalisierung der zum katholischen Hochfest Fronleichnam gelegten Blumenteppiche in Wudersch in Ungarn sowie der Blumenteppiche der Wuderscher Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland.
Das Interesse an Budaörs und den vertriebenen Deutschen aus Ungarn von Dr. Muka reicht bis in ihre Kindheit zurück. Sie schreibt in der Einleitung zu ihrer Dissertation darüber, wie sie als Kind Familienbesuche aus Deutschland bei ihrer Großmutter erlebt hat, deren Aufenthalt in Ungarn immer mit einem Besuch in der „alten Heimat“, Budaörs, verbunden war.
Daraus entwickelte sich für sie ein ausgeprägtes Interesse, nicht nur für ihre eigene Familiengeschichte, sondern auch allgemein für die Geschichte der Deutschen in und aus Ungarn. Das beeinflusste auch ihre Schulwahl. Nach dem Abitur am Deutschen Nationalitätengymnasium in Budapest folgte das Bachelorstudium am Institut für Germanistik an der Eötvös-Lóránd-Universität in Budapest, mit der Fachrichtung Deutsch als Minderheitensprache in Ungarn, dann das Promotionsstudium an der Andrássy-Universität Budapest, Teilprogramm Mitteleuropäische Geschichte.
Einen wichtigen Impuls für ihre Dissertation erhielt Dr. Viktoria Muka während ihres Forschungsaufenthaltes am Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa in Freiburg, wo sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Tradition des Blumenteppichs von den Vertriebenen aus Budaörs auch nach 1946 in ihrer „neuen Heimat“ fortgeführt wurde. Dies eröffnete neue Perspektiven für ihre Arbeit.
„Analyse der sprachlichen Kompetenzmessungen aus der Perspektive der deutschen Nationalitätenschulen in Ungarn“ heißt der Titel der Dissertationsarbeit von DR. VIKTORIA NAGY. Sie behandelt in ihr ein für das ungarndeutsche Schulwesen hochaktuelles und interdisziplinär relevantes Thema der Linguistik. Durch die Untersuchung von dreizehn ungarndeutschen Bildungseinrichtungen und die Analyse einer breiten Datenbasis leistet sie einen innovativen Beitrag zur Qualitätssicherung im ungarndeutschen Bildungswesen. Die Dissertation wurde mit summa cum laude bewertet.
Hervorzuheben ist des Weiteren ihre kontinuierliche wissenschaftliche Leistung: Dr. Nagy hat bereits mehrere wissenschaftliche Beiträge in ungarischen und ausländischen Fachzeitschriften und Konferenzbänden veröffentlicht.
Sie nahm im Laufe ihres Doktorstudiums an zahlreichen aus- und inländischen wissenschaftlichen Tagungen teil, unter anderem bereits zweimal an der Otto-Heinek-Tagung.
Neben ihrer Forschungsarbeit hat Dr. Nagy umfassende Lehrtätigkeiten an der Eötvös-Lóránd-Universität übernommen, darunter Sprachkurse für internationale Studierende sowie sprachpädagogische und linguistische Seminare für angehende Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Fremd- und Minderheitensprache.
Ihr Engagement für die deutsche Nationalität zeigt sich auch in ihrer Mitarbeit an der Erstellung des Wörterbuchs der Ungarndeutschen Mundarten, an dessen Redaktion Dr. Nagy ebenfalls beteiligt ist.
Sie setzt sich seit vielen Jahren aktiv für die Belange der ungarndeutschen Gemeinschaft ein. Als Mitglied der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen engagiert sie sich in der Strategie-Arbeitsgruppe Jugend und setzt sich für die politische wie kulturelle Interessenvertretung der jungen Generation ein. Damit trägt Dr. Viktoria Nagy entscheidend zur Stärkung der Identität und Sichtbarkeit der ungarndeutschen Volksgruppe bei.
„Wenn er mein Schwäbisch nicht verstand, musste ich mein Deutsch benutzen“ – Interdisziplinäre Untersuchungen zur saisonalen Pflegemigration ungarndeutscher Frauen aus Südungarn in den deutschen Sprachraum ist der Titel der im Juni 2025 mit Summa cum laude verteidigten Dissertation von DR. GABRIELLA SÓS.
Der von ihr behandelte Forschungsbereich hat sich erst in den vergangenen 30 Jahren konstituiert und wurde bisher noch nicht ausführlich untersucht.
Dr. Sós führte ihre Forschungen in den Komitaten Branau, Tolnau und Batsch-Kleinkumanien durch und möchte diese in Zukunft auch fortsetzen, denn das von ihr erschlossene Gesamtmaterial lässt durchaus weitere Untersuchungen zu und die aufgezeichneten Interviews tragen weiteres Ausarbeitungspotenzial in sich. Es ist geplant, diese nach weiteren, in der Dissertation nicht aufgeführten Forschungsschwerpunkten zu untersuchen.
Aus Nadasch stammend interessiert sie sich für diverse Themen, die ihren ungarndeutschen Wurzeln entspringen, über die sie sowohl im In- als auch im Ausland mehrere Vorträge und Präsentationen gehalten hat. Als Beispiel sollen hier einige Themen stehen: Vorstellung der Gemeinde Nadasch mit Schwerpunkten Ortsgeschichte und deutsche Volksbräuche; Sakrale Gegenstände und Apokryphe aus Nadasch, Máriakéménd/Ungarn; Volksfrömmigkeit und apokrypher Gebetschatz von Nadasch.
2019 wurde sie mit dem Valeria-Koch-Preis ausgezeichnet.
Ihre Tätigkeiten möchte sie auch im außeruniversitären Bereich fortsetzen. Als Vorsitzende des Kuratoriums „Stiftung Deutsches Institut“ plant sie eine Begegnungsstätte zu Stande zu bringen, deren Ziel ist, den Deutschen in Südungarn einen neuen Standort zu bieten, welcher als Museum, Archiv und Begegnungsstätte für Nachwuchswissenschaftler und Laien fungiert und die 300jährige Geschichte des Deutschtums der Region der breiten Öffentlichkeit näherbringt.
Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum:
- ELISABETH SÁNDOR-SZALAY, aus dem rumänischen Banat stammend, betrachtet die deutsche Sprache und Kultur von ihrer Kindheit an als einen prägenden Faktor ihrer Laufbahn.
Die Mittelschule hat sie in Temeswar absolviert und nach dem Umzug der Familie nach Ungarn hat sie ihr Juristendiplom an der Universität in Fünfkirchen im Jahre 1986 erworben. Noch in diesem Jahr hat sie ihre Tätigkeit am Internationalen Lehrstuhl der Universität begonnen, bis heute unterrichtet sie dort. 1998 hat sie im Thema „Internationaler Rechtsschutz der Minderheiten“ promoviert, 2011 im Thema „Neue Dimensionen im europäischen Grundrechtsschutz“ habilitiert. 2014 erhielt sie den Titel „Universitätsprofessor“.
Sie nahm an zahlreichen Forschungs- und Stipendienprogrammen in Deutschland und Österreich teil, deren Themen Tendenzen des europäischen und ungarischen Minderheitenrechtsschutzes, des Grundrechtssystems der Europäischen Union und der gleichberechtigten Behandlung waren.
Otto Heinek, als Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, hat sie für den Posten des Minderheitenombudsmanns vorgeschlagen, für den sie 2013 auch gewählt worden ist. Ihr Dienst ging 2025 zu Ende.
Zwischen 2013 und 2025 hat sie an die 80 umfassende fachliche Dokumente erlassen. Die meisten dieser Stellungnahmen und Berichte betreffen uns, Ungarndeutsche: über die Lage und Situation der Nationalitätenerziehung und des Nationalitätenunterrichts, über den Betriebsmechanismus der Nationalitätenselbstverwaltungen (Ausübung des Mitentscheidungsrechts, Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Selbstverwaltungen), über Erscheinungsformen der kulturellen Autonomie (Namensgebung, öffentlich-rechtliche Medien, Immatrikulation usw.).
Mehrere der Studien der letzten 12 Jahre trafen auf großen Widerhall: „Über die Kriegsfürsorge der zur Zwangsarbeit Verschleppten und ihrer Angehörigen“, oder über die Wichtigkeit des Auftretens gegen Hassreden und Beleidigungen das Ungarndeutschtum betreffend“, oder die „Bewahrung des kulturellen Wertes des Neufriedhofs in Zsámbék“ um nur einige zu nennen.
ELISABETH SIMON-RUMMEL arbeitet seit ihrer Kindheit ununterbrochen mit Herz und Seele für ihr Heimatdorf Nana. Ihr Wirken zeigt eindrucksvoll, was man mit Willenskraft, harter Arbeit und gemeinschaftlicher Unterstützung innerhalb kurzer Zeit verwirklichen kann.
Im Jahre 1995 wurde die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung von Nana gegründet, in der Simon-Rummel seit Beginn bis 2024 als Vorsitzende tätig war. Auf ihre Initiative hin wurde das Heimatmuseum des Dorfes eröffnet, das mit einer wertvollen und stetig wachsenden Sammlung die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen in Nana bewahrt.
Eine besonders große Rolle spielte sie 1998 bei der Gründung des Traditionspflegevereins und 2001 gründete sie die erste Kulturgruppe des Vereins, den Edelweiß Chor, der mittlerweile zwei CD-s erscheinen ließ. Sie rief weitere Kulturgruppen ins Leben: das „Wasserfall Harmonikaduo und die Sänger“ und die „Hetschal“- Volkstanzgruppe. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes konnte der deutsche Nationalitätenunterricht sowohl in der Schule als auch im Kindergarten eingeführt werden. Unter ihrer Leitung gingen die örtliche Schule und der Kindergarten in die Trägerschaft der Nationalitätenselbstverwaltung über.
Mit aktiver Mitwirkung begleitete Elisabeth Simon-Rummel die Herausgabe zahlreicher Bücher, Rezeptsammlungen und Erinnerungshefte, außerdem initiierte sie die Erstellung von Videodokumentationen, um alte Bräuche auch in digitaler Form für die Nachwelt zu bewahren.
Besonders hervorzuheben ist, dass Elisabeth Simon-Rummel diese Arbeit in einer Region leistete, in der während der kommunistischen Zeit – bedingt durch die Bergbauindustrie – das deutsche Selbstbewusstsein besonders stark unterdrückt wurde. Die Muttersprache verschwand aus dem Alltag, Traditionen gerieten fast in Vergessenheit. Gerade deshalb ist ihr Wirken von unschätzbarem Wert: Sie hat es geschafft, verlorenes Kulturgut zu bewahren, die Erinnerung zu erneuern und den nachfolgenden Generationen ein starkes Fundament deutscher Identität zu vermitteln.
UDO PÖRSCHKE ist seit 2011 durch seine Tätigkeit eng mit den Anliegen der Ungarndeutschen verbunden. Als Autor schuf er während seiner Zeit in Bonnhard die zwei Werke „Unter dem Buddha-Baum“ und „Verborgene Zeilen aus der Kriegsgefangenschaft“. Beide Werke feierten ihre Premiere in ungarndeutschen Einrichtungen. Zahlreiche Lesungen, Jury-Tätigkeit bei Deutschwettbewerben, Deutschunterricht für Ungarn und Ungarndeutsche standen im Mittelpunkt seiner Tätigkeit, durch die er die ungarndeutsche Gemeinschaft bereicherte.

Seine größte Leistung für uns Ungarndeutsche und die Deutschen aus Ungarn stellt die filmische Aufarbeitung ungarndeutscher Geschichte, Kultur und aktueller Lebenssituation dar. Er erschuf die Trilogie „Heimatlos“, „Lissi – Portrait einer Ungarndeutschen“ und „Ein Franke lernt Polka“.
Durch die Dokumentation „Heimatlos“, die im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, ein Jahr in der ARD-Mediathek zu sehen war und in Deutschland und Ungarn im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen gezeigt wurde, führte und führt Pörschke besonders dem deutschen Publikum erstmals in ganzer Breite die Existenz Deutscher in und aus Ungarn und deren Schicksal vor Augen.
„Lissi – Portrait einer Ungarndeutschen“ wurde für Kurzfilmtage eingereicht und beim ältesten Kurzfilmfestival Bayern für das Finale nominiert.
Auch der Film „Ein Franke lernt Polka“ wurde in Deutschland und in vielen Gemeinden Ungarns gezeigt.
Mit Sicherheit kann behauptet werden, dass Pörschke als Regisseur ungarndeutscher Dokumentationen als wichtiger Mittler ungarndeutscher Kultur gilt. Er leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, die Existenz, die Geschichte und die aktuelle Situation der deutschen Volksgruppe in Ungarn sowohl im Lande als auch in Deutschland bekannter zu machen und dieses Wissen für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Im Rahmen der Gala traten begabte ungarndeutsche Künstler auf. So konnte das Publikum nach den Ehrungen ein wechselhaftes, zweistündiges Programm u.a. mit Volkstanz, Mundarttexten, Blasmusik und Volksliedern genießen.
Die Ensembles und Solisten kamen u. a. von folgenden Orten: Sechsard / Szekszárd, Nadasch / Mecseknádasd, Fünfkirchen / Pécs, Ratzpeter / Újpetre, Tschepele / Csepel, Surgetin / Szederkény, Werischwar / Pilisvörösvár und Harast / Dunaharaszti.
Text: Kristina Pánovics-Szeiberling













