„Die Visegráder Vier“

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Das ist ein Begriff, der auch nach dem EU-Beitritt 2004 seine Existenz behalten will. So scheint es jedenfalls, wenn man die Aktivität und die Zusammenarbeit der Politiker von Tschechien, der Slowakei, von Ungarn und Polen beobachtet.

Aber woher stammt der Name dieser seltsamen Formation innerhalb von Europa?

Visegrád ist eine Kleinstadt am Donauknie, in Ungarn, nördlich von Budapest. Die Visegráder Burg war im Jahre 1335 Ort der Konferenz der Könige dieser Länder. Bzw. die Könige von Polen (Kazimir) und Böhmen (Johannes von Luxemburg) kamen auf Einladung des ungarsichen Königs (Karl-Robert Anjou) zusammen – die Slowakei war damals Teil des Ungarischen Königreiches.

Die Burg Visegrád im Donauknie im Mittelalter

Also: drei Könige fühlten sich gezwungen gemeinsam etwas auszudenken. Ihre Zusammenarbeit konzentrierte sich gegen die wachsende Macht von Österreich und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Neue Handelswege entstanden, politische Meinungsunterschiede wurden in Ordnung gebracht und was noch bis heute geblieben ist, ist die Freundschaft zwischen dem ungarischen und dem polnischen Volk…

…Und der nach 1990 neugegründete Bund
– mit neuen Zielsetzungen, seit 30 Jahren aktiv!

Ja: Bestimmte Kreise in diesen Ländern wollten die weitere Zusammenarbeit auch nach 1990 wiederbeleben und pflegen, obwohl der Außenhandel in den letzten zehn Jahren besonders in Richtung Westeuropa ausgerichtet ist. Man rechnet mit den Märkten der Ukraine und Russlands, die auch für die ehemaligen „Kolonien“ zahlreiche Investitionsmöglichkeiten bieten. In die Verhandlungen wurden auch die Großbanken einbezogen. Westliche Ratgeber betonen, dass neben der russischen Marktliberalisierung und der sich langsam bildenden Demokratie noch viele Hindernisse in den osteuropäischen Gesellschaften stecken. In erster Linie mussten Korruption und Schwarzhandel wesentlich eingeschränkt werden. Verheißungsvolle Aussichten werden in der Tourismusbranche wahrgenommen, der russische Tourist ist eigentlich ein guter Gast… Die ungarischen Wellness- und Heilwasserangebote sowie die Kinderprogramme könnten von Osteuropäern besser genutzt werden, wenn man sich auf einen Visegrad-Vier-Binnenmarkt konzentrieren würde.

In der Migrantenkrise scheint die Zusammenarbeit wieder stärker zu sein: diese Visegrad-Länder drücken in dieser Frage ihre markante, mitteleuropäische Meinung aus…

Lajos Káposzta