Jakob Bleyer – Germanist und Politiker (1874-1933)

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In Dunacseb, einem ungarndeutschen Dorf, geboren, sprach er deutsch von Haus aus. So absolvierte er seine Studien in der ungarischen Hauptstadt, in München und Leipzig. Ab 1905 unterrichtete er an der Budapester Universität deutsche Sprache und Literatur. Als Ungarndeutscher bekannte er sich zur ungarischen Kultur und nur allmählich trat sein deutsches Nationalitätsbewusstsein in den Vordergrund.

1917 ergriff er zum erstenmal das Wort in der Nationalitätenfrage mit seinem Aufsatz „Das ungarländische Deutschtum”. Er fand die Pflege der Kultur dieser Nationalität sehr wichtig, deren Instrumente die muttersprachliche Schulung und die Arbeit von Kulturvereinen gewesen wären.

Nach Kontaktaufnahme mit maßgebenden Kreisen, erfolgte die Gründung des Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvereins /UDV/ – Magyarországi Német Közművelődési Egyesület 1924 in Budapest. Er kritisierte oft die Nationalitätenpolitik der ungarischen Regierung. Diese hielt er für die Ursache des ungerechten Friedenspaktes zu Trianon bei Paris, durch den Ungarn zwei Drittel seines Territoriums nach dem ersten Weltkrieg an die neuen Nachbarländer abtreten musste.

Er schrieb zahlreiche Artikel und Studien über das Leben und die Traditionen der „Schwaben“ in Ungarn. Er gab auch das Sonntagsblatt 1929-1933 heraus. Obwohl die damalige Gesellschaft in vielen Fragen intoleranter war als die heutige, wurde die deutsche Sprache in breiteren Gesellschaftskreisen gesprochen als in unserer Zeit. Jakob Bleyers Erbe bietet für das Ungarndeutschtum und seine Forscher heutzutage eine gute Grundlage sowohl für Politik als auch für die Kulturpflege.

Kranzniederlegung an seinem Grab