15. März: der höchste ungarische Nationalfeiertag

Revolution 1848

Der 15. März ist Nationalfeiertag in Ungarn. An diesem Tag wird nicht gearbeitet, alle Behörden und die meisten Geschäfte sind geschlossen.

Ja, touristisch betrachtet ist das dieses Jahr ein „langes Wochenende“: da das Datum, der 15. März jetzt auf Dienstag fällt, wurde auch der Montag freigegeben. Wegen der Pandemie und des neulich ausgebrochenen Krieges haben aber viele Leute keine Lust irgendwohin zu verreisen. Es wird aber trotzdem gefeiert: an diesem Tag wird in den meisten Gemeinden und Städten mit einer öffentlichen Veranstaltung der Revolutionäre von 1848 gedacht. Kranzniederlegungen, dramatische Spiele, Gedenkkonzerte und Festreden erinnern an die Tage, in den die Ungarn gegen das Habsburgerhaus aufstanden. In Kiskunhalas findet an diesem Tag

der „Markt der Ungarn – Magyarok Vására“

statt. Ein Folkloreprogramm mit Volkstanz, Musik und Volkstrachten. Aber in der Wirklichkeit auch ein Markt: Verkaufsstellen mit Töpfen, Leder- und Holzwaren, Teppichen und natürlich den feinsten Nationalgerichten. Adresse: Kiskunhalas Semmelweis tér.

Also: zurück zur Revolution und dem darauffolgenden Freiheitskampf! Die anderthalb Jahre andauernden Kämpfe waren auch für die anderen unterdrückten Völker Europas ein leuchtendes Fanal. Die Ungarn haben bewiesen, dass man der habsburgischen Unterdrückung widerstehen kann.

Die ungarische Geschichte ist reich an Aufständen und Freiheitskämpfen, bei denen dieser Aufstand zu den größten zählt. Damals war es ein großes Ereignis in Europa! Das Habsburgerreich konnte die heldenhaften Ungarn nur mit Hilfe des russischen Zaren, nach einem einjährigen Krieg niederwerfen.

Der ungarische Vormärz

In den vorangegangenen Jahrzehnten, etwa seit 1825, wurde die ungarische Innenpolitik immer unruhiger… Das Parlament tagte in der damaligen Hauptstadt des Landes, Preßburg (heute Bratislava) und es kam mehrmals zu heißen Debatten. Hauptthemen waren u. a. die Einführung des Ungarischen als offizielle Landessprache, die Befreiung der Leibeigenen, die mögliche Unabhängigkeit von Österreich, die freie ungarische Presse, die Industrialisierung des Landes und die Förderung des Verkehrs. Diese Tagungen und Debatten brachten den Umschwung im politischen Leben Ungarns mit sich.

Über den Freiheitskampf

Nach der bürgerlichen Revolution in Pest und Buda 1848 wurde die erste unabhängige ungarische Regierung gebildet. Der Habsburger König wurde zwar noch anerkannt, aber er musste die neuen, bürgerlichen Gesetze im April 1848 unterzeichnen. Das hat er zwar vollzogen, doch nach einigen Monaten ließ der kaiserliche und königliche Hof in Wien widerrufen.

Damals war die Unzufriedenheit mit der damaligen königlichen Macht, also gegen die Habsburger, in gewissen Kreisen sehr groß. In den nachfolgenden 18 Monaten übernahmen Reformpolitiker der Vormärzperiode in Ungarn und Siebenbürgen die Macht. Der Freiheitkampf fand in mehreren Feldzügen der österreichischen und kroatischen Truppen statt, an denen hunderttausende Soldaten und Zivilisten teilnahmen. Den ungarischen Generälen gelang es zweimal, den Feind aus dem befreiten Land vollkommen zu vertreiben. Das dritte Mal, im Sommer 1849, kam die Habsburgerarmee nicht allein …vom Osten her wurde sie von Russen unterstützt. Gegen die Übermacht hatten die Ungarn keine Chance. Am 13. August 1849 erfolgte die Kapitulation in der Nähe von Arad. Hinrichtungen und Gefängnisstrafen folgten. Traurige Jahre begannen für die Ungarn.

Wie die ungarischen Revolutionäre dachten und fühlten, kann man aus den Gedichten des ungarischen Nationaldichters, Sándor Petőfi, nachvollziehen. Auch er hat am Freiheitskampf teilgenommen und ist am Ende in Siebenbürgen den Heldentod gestorben.

Resümee

Am 15. März wird in Ungarn der Tag der Revolution von 1848 gefeiert. Das war damals das Ende der ungarischen Vormärz-Periode, als patriotischen Politiker die habsburgische Unterdrückung nicht mehr hinnehmen wollten. Es gab natürlich viele, die keine Trennung von Wien anstrebten, sondern von einem dualistischen Staat träumten. Franz-Josef, der junge Kaiser und seine Ratgeber wollten aber damals die Ungarn nicht als Partner, sondern nur als Sklaven akzeptieren.

Folge dieser Betrachtungsweise war ein blutiger Krieg, dann der 18-jährige passive Widerstand der Ungarn, der auch die Zukunft des Krieges um die deutsche Einheit beeinflusste. Die Habsburger haben 1866 gegen Preußen bei Königgrätz verloren. So wurde zwangsläufig 1867 die Österreichisch Ungarische Monarchie gegründet. Aber das brachte eine Blütezeit in die Geschichtebeider Reichshälften.

Lajos Káposzta – Eva-Marie Meißner

Ein „revolutionäres“ Musikinstrument