Besuch der deutschen Kirchenburg Alzen / Altina in Siebenbürgen
Wir, drei gute Freunde und Wissenschaftler aus Ungarn, haben im Februar unsere „fahrplanmäßige Siebenbürgenreise“ unternommen, die regelmäßig zum Jahresauftakt stattfindet. Wir, also Lajos Kaposzta, Balazs Kocsis und Peter Wesz, kommen aus Südungarn und haben alle drei einen deutschen Hintergrund in unserem Leben — sei es von der Familie oder der Arbeit her.

Diese Kleinstadt zwischen Hermannstadt / Sibiu und Kronstadt / Brasov ist sowohl für deutsche als auch für die allermeisten ungarischen Touristen ein weißer Fleck. Warum? Erstere fahren eher in die ehemaligen siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften, die Letzteren hingegen nach Klausenburg / Cluj oder Neumarkt am Mieresch / Targu Mures, zu den dortigen Ungarn. Diese „Übergangszone“ schien für unsere kleine Reisegruppe eben deshalb vielversprechend, weil die hier lebende deutsche Diaspora immer noch kulturell lebendig ist.

Das erklärte uns vor Ort eine längst dort lebende Kulturmanagerin aus Deutschland, Cornelia Hemmann. Sie wurde vom Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) Stuttgart entsendet, um die rege Kultur- und Bildungstätigkeit der deutschen Minderheit zu fördern und neue Ideen einzubringen. Das geschah gerade vor 10 Jahren. Cornelia hat sich in ihrer neuen Wahlheimat im Laufe der Zeit gut eingelebt.
Ihre Basis


Unsere erste Station an diesem Tag war Alzen / Altina. Bei der Ankunft begann die Sonne zu scheinen und durch den Nebel erblickten wir die Gipfel der Fogarascher Berge, die zu den südlichen Karpaten gehören. Wir wurden vor der Kirchenburg von Frau Hemmann und der Kuratorin Rosemarie Müller empfangen. Sie war früher Deutschlehrerin in der Dorfschule. Damals war hier das Leben anders…

Wie sie erzählte,
war vor hundert Jahren die Hälfte der Bevölkerung Deutsch. Jetzt bestehe die Kirchengemeinde NUR NOCH aus einigen Dutzend Seelen. Im ehemaligen Pfarrhaus wurde ein kleiner Gemeinderaum eingerichtet. Aber es gibt wenig Nachwuchs – betrauerte die Kuratorin.
Wir stiegen auf den Hügel hinauf, wo inmitten einer Festung mit Wehrmauern die evangelische Kirche auf uns wartete. Bereits unterwegs bereiteten wir uns darauf vor, was uns im Inneren erwarten würde, doch der Anblick war dennoch schockierend: 2020 war das Gewölbe der Kirche eingestürzt. Zerstörte Kirchenbänke, hängende Balken, einige Denktafeln an den Wänden. Während wir zwischen den Trümmern standen, erzählte Frau Müller eine kurze Geschichte über die Gründung des Dorfes und gab dem zerstörten Bauwerk damit einen historischen Rahmen.
Über den Ortsnamen Alzen
Als die Sachsen nach Siebenbürgen kamen, siedelten sich hier, in dieser Gegend, zehn Männer an. Sie fanden hier nur Wälder vor, und begannen den Wald zu roden. Jeder baute sich ein Häuschen, so ähnlich, wie sie es in der alten Heimat zurückgelassen. Als die zehn Häuschen standen, und diese Siedlung einem kleinen Dorf ähnelte, trafen sich diese zehn Männer, um dem Dorf auch einen Namen zu geben.

Sie stellten jedoch fest, dass alle gleich fleißig und tüchtig gewesen waren. Deshalb beschlossen sie, dem Dorf den Namen „Alle Zehn“ zu geben. Daraus wurde „Alzen“ abgeleitet, und später entstand daraus der rumänische Ortsname „Altina“. Beide stehen heute auf dem zweisprachigen Ortsschild und sind dort zu lesen.
Würde man dem Dorf heute einen Namen geben, und nur die Siebenbürger Sachsen in Betracht ziehen, würde unser Dorf heute „Alle-Fünfundvierzig“ heißen. Denn derzeit sind noch 45 evangelische Seelen im Gemeindeverzeichnis verzeichnet. Die anderen Siebenbürger Sachsen sind nach 1989 nach Deutschland ausgewandert. Mit dieser Seelenzahl ist sie im Harbachtal im ländlichen Bereich die größte evangelische Kirchengemeinde. In den Nachbardörfern (Leschkirch, Marpod, Holzmengen, usw.) sind es überall weniger in der Gegend.
(Fortsetzung folgt)
Lajos Káposzta








