Auf der Spur der Ahnen

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Wir befinden uns in Nadwar (ung. Nemesnádudvar) bei Baja,

im südlichen Teil von Komitat Bács-Kiskun. Man nennt diesen Landstrich nicht mehr Kumanien (also „Kunság“), sondern Batschka. Der größere, südliche Teil der Batschka gehört heute zu Serbien, bis 1920 aber zum Ungarischen Königreich. Im 18. Jh. kamen Zigtausende deutsche Familien hierher, damit die nach der Türkenzeit leer stehenden Gebiete wieder bevölkert werden. Sie kamen auf den Ruf des Herrschers in Wien, bzw. der ungarischen Grundherren und des Erzbischofs in Kalocsa. Seit dem sind fast 300 Jahre vergangen.

Wir sitzen jetzt im Familienkeller

eines Nadwarer Winzers, Josef Etsberger. Der Keller befindet sich in einer schönen Gasse, namens Marienthal (Ung: Máriavölgye). Am Eingang des Kelterhauses sehen wir den steinernen Untersatz einer Weinpresse, zu dem ehemals auch Holzelemente gehörten. Schon dieses Jahrhunderte alte Stück lässt ahnen: es ist kein gewöhnlicher Keller da darunter.

Etsberger József

— so lässt sich der Name an einem Sack lesen. Dieser gehörte meinem Großvater, der seine Produkte mit Schutzmarke verkaufte — erzählt der Hausherr. Er zeigt stolz sein kleines Museum, das aus Fotos, Gebrauchsgegenständen und Dokumenten eingerichtet wurde. Er ist Ingenieur für Maschienenbau von Beruf und hat in Dresen studiert. Aber nicht nur das technische Fach!

Ich habe gefahndet — beginnt er seine Geschichte. 1986 erstattete ich einen Besuch in Dannstadt bei Ludwigshafen, woher meine Ahnen ehemals hierher gewandert waren. Mit Hilfe des Bürgermeisters und des Pfarrers gelang es mir die Originaldokumente zu fotokopieren und mitzubringen. Ich konnte darüber viel erfahren, wie meine Ahnen zwischen 1706-1722 dort lebten, wie groß die Not war, und wie sie sich auf den Weg nach Ungarn machten.

Wenn man heute nach Nadwar kommt, und die Keller erblickt, denkt man an den Wein. Ja, es ist einerseits unsere Pflicht, andererseits machen das viele gerne, sich mit dem Wein zu beschäftigen. Es ist bekannt: wir haben in Nadwar mehr Weinkeller als Häuser im Dorf. Also neben dem Familienkeller kommt es häufig vor, dass die nächste Generation nicht warten will und einen anderen Keller kauft. Aber in diesem Keller spricht man nicht, oder nicht nur über Wein, sondern vertieft sich in der Geschichte. Die Nadwarer sind sehr stolz auf ihre Traditionen, Sitten und Sprache. Ich habe dieses kleine Museum geschaffen, damit meine Generation ermutigt wird: man muss noch vieles retten und weitergeben!

Lajos Káposzta – Reiseleiter und Organisator: 0036209466727

Pension in Nadwar/Nemesnádudvar