Lajos’ Geheimnisse: TAJ-Nummer und Corona-Impfung für alle Ausländer in Ungarn – schon bald Wirklichkeit?

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TAJ-Kártya – das ist ein ungarisches Zauberwort!

Es bedeutet, man verfügt über die ungarische Krankenversicherungskarte mit der „TAJ-szám“, also der Identifizierungsnummer, die eine kostenlose medizinische Betreuung sichert. Diese Nummer („Sesam öffne Dich“) ermöglicht es auch, die verordneten Medikamente in der Apotheke, zum ermäßigten Preis zu erhalten bzw. verschiedene geförderte Leistungen (Heilgymnastik nach einer Verletzung) und / oder Hilfsmittel (Prothese, Rollstuhl) in Anspruch zu nehmen.

Und die Corona-Impfung!

Ja, bisher konnten (und das gilt noch immer) diese Vakzine in Ungarn nur Besitzer der TAJ-Nummer beantragen. Aber viele, die sich in Ungarn niedergelassen haben oder die hier ihren Zweitwohnsitz haben (also unsere Neubürger), verfügten nicht über die Karte, mit der so wichtigen TAJ-Nummer.

Der ungarische Staat wollte seine Interessen sichern. Man folgte dem Grundsatz, dass Jeder in dem Land krankenversichert ist, in dem man einer Erwerbsarbeit nachging. Das bezog sich aber eben auch auf die ehemaligen ungarischen Gastarbeiter, die aus Westeuropa heimgekehrt sind. Sie alle haben im Grunde die gleichen Hürden zu überwinden wie die „Neubürger“, die sich entschieden haben, einen beachtlichen Teil ihrer Lebenszeit in Ungarn zu verbringen und ihre Rente mitzubringen.

 Allen war es nicht so ohne weiteres möglich, bzw. glückte nur auf einem komplizierten Weg, die Krankenversicherungskarte, mit der entscheidenden TAJ-Nummer, zu erhalten.

Aber die aktuelle Situation brachte auch Änderungen!

Also …

Erstens:
Die obligatorische „Corona-Impfung“, zum Schutz aller Bürger in Ungarn vor der Pandemie, muss Ausnahmen zulassen! Alle Bürger müssen Zugang zur Impfung erhalten! Das ist das Gebot der Stunde!!!

Zweitens:
Die Krankenversicherungskarte, mit der wichtigen TAJ-Nummer, muss verfügbar sein, auch wenn dafür ggf. eine Monatsgebühr zu zahlen wäre…

Kleeblatt fahndet…

Wir haben die Leiterin vom Krankenkassenamt in Kecskemét, Anna Faragó, angerufen und folgende Informationen erhalten:

Seit November 2020 gilt eine neue Verordnung in Ungarn, nach der EWR-Bürger die ungarische Krankenversicherungskarte („TAJ-kártya“) erhalten können.

Was ist dazu erforderlich?

  • Man muss im Besitz einer Wohnsitzkarte („Lakcímkártya“) sein, mit der man bestätigt, dass man einen ständigen Wohnsitz (eigene Immobilie oder Untermiete) in Ungarn hat.
  • Man muss die eigene Versicherung / Krankenkasse, im Heimatland ersuchen, ein Formblatt zu erstellen, aus dem die Mitgliedschaft in der jeweiligen Krankenversicherung, hervorgeht. Dieses Formular heißt „S1-Formular“. In Ländern, die zum Bereich der elektronischen Datenverarbeitung gehören (z. B. Deutschland, Österreich, die Niederlande, u. a.) trägt das Formular die Code-Nummer S072. Insofern gilt in diesen Ländern das „Formular S072“. Interessanterweise gehört z. B. die Schweiz nicht in den Bereich der elektronischen Datenverarbeitung, die Schweizer sollten also das „Formular S1“ beantragen.
  • Wichtig und unbedingt empfehlenswert: Die Antragsteller müssen sich beim ungarischen Sozialamt („TB-Intézet“, „Társadalombiztosító“) vorab erkundigen, welches der beiden Formulare, in ihrem Fall, das geeignete ist.
  • Die Ausstellung der ungarische TAJ-Karte, für Ausländer, wird in erster Linie Bürgern ermöglicht, die bereits Altersrente beziehen. Bitte zuvor nachfragen, ob es sich um eine Frührente, um Abfindungszahlungen oder um Arbeitslosenzeit handelt, weil diese Leistungen in den Ländern unterschiedlich und in Ungarn oft als Übergangsrente eingestuft werden.
  • Weiter ist es wichtig zu wissen, in welchem Komitat (Ungarisch: „megye“) man wohnhaft ist. Jedes Komitat hat eine andere ausländische Code-Bezeichnung. Bács-Kiskun z. B. hat die Nr. 1802. Die ausländische Krankenkasse muss das relevante Formular, gemeinsam mit der richtigen Zuordnungs-Nummer, weiterleiten.

Nach der Rückmeldung, also nach dem Eingang des Formulars bei der zuständigen ungarischen Krankenkasse, wird der Antragsteller aufgefordert, seine Ausweise und andere erforderliche Daten vorzulegen. Danach erhält man — einmal, möglichst schnell — die TAJ-Karte.

Frage: Gilt das „alte Formblatt E121“ noch?

Antwort: Nein, das war der Vorgänger von S1.

Frage: Wie lange dauert das alles?

Antwort: Das Prozedere wird sich ca. 2 Monate hinziehen.

Frage: Wie oft hat der eine oder andere, in diesen 2 Monaten, möglicherweise sich (und eventuell auch andere) infiziert?

Antwort: ……

Frage: Welche Versicherungen / Krankenkassenmitgliedschaften werden in Ungarn akzeptiert?

Antwort: Die ungarischen Mitarbeiter prüfen alle vorliegenden Daten und Leistungszussagen der ausländischen Krankenversicherung, danach erfolgt die Zusammenfassung, betreffend die jeweilige Krankenversicherung / den jeweiligen Dienstleister. Dann erfolgt die Aktualisierung aller Daten im ungarischen System. Dabei wird auch berücksichtigt, dass es durchaus juristische Unterschiede z. B. bei der Darstellung des Arbeitsstatus gibt. So ist z.B.  HARZ 4 in Ungarn völlig unbekannt…

Frage: Was ist mit den vielen Neubürgern, die hier, in Ungarn, viele Monate des Jahres leben, die eine Wohnsitzkarte haben, aber Ihren Hauptwohnsitz aber weiter in ihrem „Heimatland“ haben?
Folgende Situation: Der Rentner lebt fünf Monate des Jahres in Ungarn. Hauptsitz ist sein „Heimatland“. Nun kommt es zu einer Pandemie. Er möchte sich impfen lassen, darf aber nur in seiner „Heimat“ geimpft werden.
a) alle Grenzen werden kontrolliert, mit der Folge von langen Wartezeiten an den jeweiligen Grenzen – Übernachtungen in den Transitstaaten sind nicht möglich
b) jetzt kommt der „Hauptmann von Köpenick“ um die Ecke… ohne Impfung keine Einreise zur Impfung – aber auch keine Impfung im Lande seines Zweiwohnsitzes – das ist durchaus ein denkbares Szenario und gar nicht so weiter entfernt… – wird dieser „heimatlose“ dann wieder umkehren müssen – wird er dann überhaupt wieder hereingelassen, zu seinem Zweitwohnsitz, ohne Impfung?

Antwort: siehe unten Antwort b)

Frage: Was ist mit der Corona-Impfung? – siehe dazu den Absatz oben…

Antwort a): Wenn man über eine TAJ-Nummer verfügt, darf man sich auch für die Corona-Impfung anmelden.

Antwort b): Nach Informationen der DUIHK (Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer) können sich ab Mai auch in Ungarn lebende Ausländer ohne ungarische Sozialversicherungsnummer (TAJ) gegen Corona impfen lassen. Die DUIHK hatte das Thema bereits in den vergangenen Wochen bei der ungarischen Regierung vorgebracht.

Weitere Details hierzu werden in den kommenden Tagen bekanntgegeben.

Und wir bleiben am Thema dran und informieren zeitnah im Kleeblatt! Vielen Dank an alle, die mit Kontakten, Infos und konstruktiven Fragen bei unserer Arbeit geholfen haben. 

Info und Dolmetscherdienst:
Lajos Káposzta 0036209466727, kaposztalajos@gmail.com 
Eva-Marie Meissner: +4917662793701

Schwierigkeiten beim Erwerb der Wohnsitzkarte in Ungarn

Infos über die COVID-Impfung in Ungarn: https://vakcinainfo.gov.hu/

Soziale Informationen in Ungarn: https://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=869&langId=de